Warum Tagesordnungspunkte nicht ausreichen
In Aufarbeitungskommissionen, Veränderungsprozessen oder Krisensituationen wird viel gearbeitet. Berichte werden vorgestellt, Maßnahmen entwickelt, Beschlüsse gefasst und Empfehlungen formuliert. Die Tagesordnungen sind voll. Die Herausforderungen groß.
Und doch bleibt häufig eine Frage unbeantwortet:
Was lernt die Organisation eigentlich über sich selbst?
Organisationen lernen nicht allein durch neue Informationen. Sie lernen auch nicht automatisch durch die Analyse von Fehlern oder durch die Bearbeitung komplexer Themen.
Lernen entsteht dort, wo Menschen gemeinsam auf ihr Handeln schauen. Wo nicht nur gefragt wird: „Was ist geschehen?“, sondern auch:
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Wie arbeiten wir miteinander?
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Welche Rollen entstehen?
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Welche Stimmen werden gehört?
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Welche Dynamiken zeigen sich?
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Welche Muster wiederholen sich?
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Welche Verantwortung tragen wir gemeinsam?
Gerade in Aufarbeitungs- und Veränderungsprozessen geraten diese Fragen leicht aus dem Blick. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf Inhalte, Berichte und Ergebnisse. Die Reflexion des Prozesses selbst wird häufig als nachrangig betrachtet.
Dabei liegt gerade hier ein wesentlicher Schlüssel für organisationales Lernen.
Der blinde Fleck vieler Organisationen
Organisationen beschäftigen sich intensiv mit ihren Themen.
Weniger häufig beschäftigen sie sich mit der Art und Weise, wie sie diese Themen bearbeiten.
Sie analysieren Konflikte, ohne die eigenen Konfliktmuster zu betrachten.
Sie untersuchen Machtmissbrauch, ohne über Macht im eigenen Handeln nachzudenken.
Sie entwickeln Empfehlungen für die Zukunft, ohne die Erfahrungen des gemeinsamen Weges auszuwerten.
So entsteht ein blinder Fleck.
Die Organisation spricht über sich, ohne sich selbst zu beobachten.
Common Space als Lernraum
Hier setzt die Common Space Methode an.
Common Space ist mehr als ein Beteiligungsformat. Es ist ein Raum gemeinsamer Beobachtung und Reflexion.
Ein Raum, in dem nicht nur Inhalte sichtbar werden, sondern auch Beziehungen, Dynamiken, Verantwortung und Muster.
Ein Raum, in dem Menschen nicht ausschließlich Positionen vertreten, sondern gemeinsam erkunden, was geschieht.
Common Space fragt nicht nur:
Was ist das Problem?
Sondern auch:
Wie begegnen wir diesem Problem?
Was lernen wir über uns selbst?
Welche Erfahrungen machen wir miteinander?
Welche Verantwortung entsteht daraus?
Damit wird der Raum selbst zu einem Lernfeld.
Von der Bearbeitung zum Lernen
Viele Organisationen bearbeiten Themen.
Weniger Organisationen lernen aus ihnen.
Der Unterschied liegt häufig nicht im Wissen, sondern in der Fähigkeit zur Reflexion.
Organisationales Lernen beginnt dort, wo Erfahrungen nicht nur gemacht, sondern gemeinsam betrachtet werden.
Wo Menschen bereit sind, auch die eigene Arbeitsweise, die eigenen Rollen und die eigenen Annahmen zum Gegenstand der Betrachtung zu machen.
Dies gilt für Aufarbeitung ebenso wie für Führung, Transformation, Beteiligung, Nachfolgeprozesse oder den Umgang mit Krisen.
Die eigentliche Aufgabe
Die eigentliche Aufgabe besteht deshalb nicht nur darin, Lösungen zu entwickeln.
Sie besteht darin, Räume zu schaffen, in denen Lernen möglich wird.
Räume, in denen Menschen gemeinsam wahrnehmen, reflektieren und Verantwortung übernehmen können.
Common Space versteht solche Räume als Voraussetzung für nachhaltige Veränderung.
Denn Organisationen verändern sich nicht allein durch Entscheidungen.
Sie verändern sich durch die Fähigkeit, aus ihren Erfahrungen zu lernen.
